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Die zwei in deutscher Sprache verfügbaren Weinzeitschriften "Vinum" und "Alles über Wein" haben auf mich bislang keine große Anziehungskraft ausgeübt. Wenn man einen monatlichen Wissens-Update sucht, halte ich die Zeitschrift "Der Feinschmecker" für geeigneter. Neben den dort eigentlich immer enthaltenen Berichten über Wein- oder Spirituosenverkostungen finden sich dort auch verwertbare Reisetips (vornehmlich aus kulinarischer Sicht). Wenn es jedoch ernst wird, das heißt ein größeres Nachladen des Weinkellers ansteht, greife ich - meiner Vorliebe für französischen und deutschen Wein entsprechend - auf folgende "Standardwerke" zurück.
Bordeaux, Robert M. Parker Jr., Hallwag Verlag, 1992 Dieser über 1000-seitige Wälzer informiert superb über alle irgendwie nennenswerten Chateaux des Bordeaux und berwertet deren Weine nach Jahrgängen sortiert (Jahrgang '89 und älter). Es ist eine wahre Fundgrube für Detailinformationen über Jahrgänge und Chateaux. Die Weine sind nach einem von ihm erfundenen 100 Punkte-System bewertet und mit einem Trinkreifezeitraum versehen. Robert Parker ist der zur Zeit vermutlich einflußreichste Weinkritiker des Bordeaux. Daß die von ihm vergebenen "Parker-Punkte" inzwischen deutlich den Verkaufspreis eines Weines mitbestimmen, ärgert einige in der Branche (mitunter wird auch von der "Parkermania" gesprochen). Auf der anderen Seite wird sein meist sehr sicherer Gaumen gerade bezüglich des Entwicklungspotentials von jungem Bordeaux allgemein anerkannt. Lesenswert sind auch seine Anmerkungen über stereotypes Gebaren von Winzern, Händlern und Weinsammlern. Parker's Wein-Guide Frankreich, Robert M. Parker Jr., Heyne Verlag, 1994 In diesem gut 700 Seiten starken Werk bespricht Robert Parker alle Weinregionen Frankreichs. Auch hier werden Parker-Punkte und Trinkreifezeiträume vergeben. Er stellt die Charakteristik der einzelnen Weinregionen sowie die in der Region hervorzuhebenden Produzenten vor und bespricht deren jüngere Jahrgänge bis hinab zum Jahrgang '90. In Zeiten exorbitanter Preise für guten Bordeaux ist dieses Buch eine willkommene Einladung, sich mit den anderen Weinregionen Frankreichs anzufreunden, die auch sehr interessante Weine zu meist sehr viel geringeren Kosten anzubieten haben. Wie zu befürchten war, hat sein positives Urteil über einige Erzeuger in bislang weniger beachteten Regionen auch dort bereits zu steigenden Preisen (zumindest bei den regionalen Spitzenerzeugern) geführt.
Parker's Wein-Guide Frankreich, Robert M. Parker Jr., Heyne Verlag, 1996 Dieses Buch unterscheidet sich optisch wie vom inhaltlichen Aufbau nur minimal von der '94er Ausgabe. Anstatt des gelb-grünen Einbandes erscheint es mit gelb-blauem Einband. Der Inhalt ist als Ergänzung zum ersten Band zu verstehen und widmet sich der Jahrgänge '90 bis '93.
Parker's Wein-Guide, Robert M. Parker Jr., Heyne Verlag, 2000 In diesem Buch nimmt sich Bob Parker in 8000 Weinbesprechungen alle weltweit relevanten Anbauregionen vor - Frankreich, Italien, Spanien, Kalifornien, Australien, Argentinien/Chile. Über die deutschen Weine findet man fast nichts. Sehr umfangreich sind die Besprechungen der französischen, italienischen und kalifornischen Weine, die er natürlich auch mit seinen Parkerpunkten
Hachette Weinführer Frankreich, Drömersche Verlagsanstalt Dieser in regelmäßigen Abständen aktualisierte Weinführer nennt Weine aus allen Regionen Frankreichs, die bei einer Zentralverkostung (nicht wie bei Robert Parker am Ort der Produktion oder bei sich daheim) von einem Gremium als hinreichend hochqualitativ eingestuft wurden. Besonders gut gelungene Weine werden zusätzlich mit Sternen oder per Etikettabbildung hervorgehoben. Der Hachette Weinführer weist schwerpunktmäßig den gerade erschienen Jahrgang aus (2 bis 3 Jahre jünger als das Erscheinungsjahr) und nennt neben einer preislichen Einordnung auch die Adresse und Telefonnummer des Winzers. Dies macht den Hachette Weinführer zu einer idealen Begleitung bei Frankreichurlauben, da man aufgrund seiner großen regionalen Fächerung sicher sein kann, einen empfohlenen Winzer nicht weit der Reiseroute zu finden. Die abgebildete französiche Originalausgabe erscheint i.d.R. im Oktober.
Gault Millau WeinGuide Deutschland, Heyne Verlag Dieses jährlich erscheinende Büchlein nennt nach Regionen sortiert Weingüter mit Weinen, die in einer Verkostung als empfehlenswert eingestuft wurden. Die Erzeuger werden mit Adresse und Telefonnummer aufgeführt. Die empfohlenen Weine werden anhand eines 20 Punktesystems bewertet und mit Preisangabe abgedruckt. Die Auswahl der Jahrgänge beschränkt sich auf den gerade aktuellen (2 Jahre jünger als das Erscheinungsjahr des WeinGuide).
Weine prüfen - kennen - genießen, Michael Broadbent, Hallwag Verlag, 1992 Dieses Buch bespricht keine Weine bestimmter Erzeuger, sondern erklärt Techniken zur Degustation und Handhabung von Weinen. Während die vorangegangenen Werke primär als Ratgeber fuer den Weinkauf konzipiert sind, konzentriert sich dieses Buch auf den Genuß der erworbenen Flaschen. Die vorgeschlagenen Techniken zum Ergründen des gesamten Charakters eines Weines sind sehr feinsinnig dargestellt und zielen ganz deutlich auf die Steigerung des Genusses, so daß dem Buch kein Anflug von unangenehmer Belehrung oder Wissenschaftstümelei anhaftet. Als wirklich unterhaltsam kann ich empfehlen, die erste Hälfte einer guten Flasche Wein anhand des im Buch enthaltenen Weinbeurteilungsbogens zusammen mit Freunden zu charakterisieren und zu benoten (jeder für sich) und anschließend die Ergebnisse zu vergleichen und zu diskutieren. Nach dieser anstrengenden Aufgabe bevorzuge ich allerdings, die zweite Hälfte der Flasche ohne größere mentale Anstrengungen zu genießen.
Die führenden Winzer und Spitzenweine Deutschlands, Stuart Pigott, ECON Verlag, 1997 Stuart Pigott setzt sich sehr kritisch mit den deutschen Weinen, Winzern und Weinbaugebieten auseinander. Dabei nimmt er keine Rücksicht auf renomierte Namen oder historische Besitzstände, wodurch er sich unter den Winzern nicht nur Freunde gemacht hat. Seiner harten Kritik setzt er allerdings auch große Begeisterung und hohes Lob für gelungene Weine entgegen. Das Buch ist aus einer sehr emotionalen Perspektive geschrieben, die auch etwas über die Persönlichkeiten erzählt, die in Deutschland Spitzenweine erzeugen. |